Wie hilfreich ist Groupon für Dein Unternehmen ?

Es scheint verlockend, seine Umsätze mithilfe von Groupon-Gutscheinaktionen zu erhöhen.

Ich lade Dich ein, genauer auf diese Frage zu schauen.

Ich gebe hier meine eigenen Erfahrungen mit Groupon wider und meine Schlüsse, die ich daraus gezogen habe.

Meine Zusammenfassung zu meiner Erfahrung möchte ich wie folgt zusammenfassen:

Groupon liefert Kunden – Groupon liefert die falschen Kunden – Groupon frisst die Margen – Groupon kostet Image

Das Prinzip Groupongutscheine

Das Prinzip hinter Groupon ist folgendes: Du bietest für einen bestimmten Zeitraum Deine Produkte oder Dienstleistungen zu einem günstigeren Preis an. Groupon verkauft für Dein Angebot über seine Vertriebskanäle diese Gutscheine. Sobald ein solcher Gutschein bei Dir vom Kunden eingelöst wird, erhältst Du den Verkaufspreis abzüglich Provision.

Vorteil des Groupon-Systems

Ohne Frage: Groupon liefert Kunden – und zwar knackig. Als ich 2019 zur Eröffnung meines Irisfoto-Studios in Frankfurt die Groupon-Aktion startete wurden innerhalb küzester Zeit hunderte Groupongutscheine für meine Irisfotos verkauft. Groupon hat ohne jede Frage eine große Menge an Kunden zu mir geführt.

Nachteile des Groupon-Systems

Die Vorteile des Groupon-Systems sind dadurch auch schon erklärt. Kommen wir nun zu den Schattenseiten von Groupon.

Groupon macht Deinen eigenen Preis kaputt

Ich gehöre zu dem Beratern, die ihre Kunden eher dazu raten, ihre Preise hoch zu halten und lieber etwas dafür zu tun, dass dies auch gerechtfertigt ist.

Mit Grouponaktionen machst Du genau das Gegenteil davon: Du machst aus einem hochpreisigen Produkt Ramschware.

Groupon frisst Deine Marge

Vertrieb kostet Geld – so oder so. Nun könnte man ja auf dem Standpunkt stehen, dass das, was an Groupon an Provision bezahlt dem entspricht, was man sonst auch an Vertriebskosten hat.

Dem stimme ich grundsätzlich auch bei Groupon zu, allerdings erzeugt der Verkauf über Groupon Kollateralschäden, wie ich sie weiter unten beschreibe.

Damit Groupon ein „attraktives“ Angebot hat, verlangt es von Dir , dass Sie Du ein mehrstufig rabattiertes Angebot kreierst. z.b.: 1 Stück 20%, 2 Stück 30%, 4 Stück 50% Rabatt… oder so ähnlich.
Also: Bevor Du auch nur einen Cent Umsatz gemacht hast, ist schon ein großer Teil Deiner Marge durch den Rabatt verloren gegangen.

Dann kommt die Provision für Groupon: irgendwas zwischen 30% und 50%….
Nun rechnen wir mal: Du hast ein Produkt, das regulär 100,00 EUR im VK kostet und welches Du (Du Glückspilz) für 30,00 EUR einkaufst. DB 1: 70,00 EUR.
Auf die 100,00 EUR gibst Du nun 30% Rabatt und erlöst also noch 70,00 EUR. DB 1: 40,00 EUR.
Vom neuen VK von 70,00 EUR erhält Groupon nun 40%, also 28,00 EUR.
Dir bleiben also: 40,00 EUR minus 28,00 EUR = 12,00 EUR.

Deine direkten Vertriebskosten für einen Artikel von 100,00 EUR betrugen also 58,00 EUR oder 58% des Umsatzes.

Das ist knackig, finde ich und Deine Marge ist am Arsch.

Kollateralschaden 1: Groupon liefert die falschen Kunden

Man könnte ja meinen, dass es rentabel ist, etwas an der Marge zu verlieren, wenn man dafür langfristig den Kunden gewonnen hat. Diese Idee ist natürlich besonders verlockend für Branchen, die auf Stammkunden setzen, z.B. Nagelstudios, Frisöre, Restaurants etc.

Soweit die Theorie…

Nach meiner Erfahrung ist der typische Grouponkunde aber nicht jemand, der die Hochwertigkeit eines Angebots zu schätzen weiß, sondern eher ein Schnäppchenjäger, der von Angebot zu Angebot surft.
Er kauft sich heute einen Restaurantgutschein für Restaurant X und morgen für Kneipe Y und freut sich über sein jeweiliges „Schnäppchen“.

Mein Eindruck: Grouponkunden kaufen nicht Ihr Produkt – sie kaufen einen Rabatt.

Die Chance, dass Groupon wirklich hochwertige Stammkunden liefert, die bereit sind Premiumpreise zu bezahlen, schätze ich nach meiner Erfahrung als sehr, sehr gering ein. Diese Einschätzung deckt sich mit Erfahrungen anderer Selbstständiger, mit denen ich mich darüber ausgetauscht habe.

Kollateralschaden 2: Das Rabattsignal ist im Markt.

Ist der Preis einmal bei Groupon, ist er in der Welt. Das Internet vergisst nichts, oder nur sehr langsam.

Selbst Kunden, die nicht bei Groupon kaufen, sehen beim Googlen Dein Grouponangebot. Das führt zu zweierlei:

  • Interessenten rufen bei Dir an und fragen, ob sie den Preis auch ohne Groupon bei Dir bekommen.
  • Die Preise für eine einmalige Grouponaktion sind auch noch nach langer Zeit online sichtbar und werden mit Dirin Verbindung gebracht.. Du bist und bleibst „Der Rabattierer“.

Es ist aus verkäuferischer Sicht immer das schlechteste Mittel mit dem Preis oder einem Rabatt zu werben, vor allem, wenn man als hochwertiger Anbieter wahrgenommen werden will. Selbst Discounter wie Aldi & Co. werben normalerweise nicht mit Rabatten, sondern mit „stabil günstigen Preisen“. Wenn dort rabattiert wird, dann aus nachvollziehbaren Gründen wie „Restbestandverkauf“ oder „Ablaufdatum“, aber nicht im Normalfall.

Was gibt es sonst noch über die Grouponaktion zu berichten ?

Ich selbst fand den Verkäufer von Groupon sehr professionell und angenehm. Der zentrale Service hingegen war aus meiner Sicht eine totale Katastrophe: Die Steuerung der Aktion, das Einstellen derselben und andere Themen, die den Service betreffen fand ich – gelinde gesagt – unter aller Sau.

Mein persönliches Fazit ist: Einmal Groupon – nie mehr Groupon.

So verlockend es ist, mit Hilfe von Grouponaktionen Traffic auf den Verkauf zu bringen, so groß sind aber auch die Folgeschäden davon.

Welche Alternativen gibt es zu Groupon ?

Ich denke, viele Selbstständige machen den grundlegenden Fehler, bei Krisen oder um neue Kunden zu gewinnen zu schnell die Rabattkeule auszupacken. Natürlich kann das kurzfristig einen Schub bringen, langfristig ist es aber eine gefährliche Strategie. Es dauert in der Regel nie lange, bis ein Konkurrent dieses Mittel ebenfalls nutzt und die Wettbewerber sich nun in einer gegenseitigen Abwärtsspirale nach untern ziehen.

Ich bin der festen Überzeugung, dass es nachhaltiger ist, alles zu versuchen, um höhere Preise durchzusetzen. Die dafür eingesetzten Marketing- und Werbemaßnahmen zahlen sich langfristig aus. Ganz banal gesagt sorgen sie z.B. bei gleichen Einkaufspreise zwangsläufig für höhrer Margen.

Von den Margen zahlst Du letzten Endes Deine Ladenmiete und die Angestellten, nicht vom Umsatz.

Ich hoffe, ich konnte Dir einen Eindruck davon vermitteln, was Dich erwartet, wenn Du eine Grouponaktion fahren willst.

Hast Du andere oder ähnliche Erfahrungen gemacht ?

Hinterlasse gerne hier Deinen Kommentar…

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