Wenn die Lösung das Problem ist

Warum manche Menschen die Lösung eines Problems lieber liegen lassen und das Problem behalten.

Kennst Du das: Jemand formuliert ein Problem und in der Unterhaltung mit ihm entsteht eine Lösung nach der anderen. Eine Woche später stellt sich heraus, dass der Problemträger keine der wunderschönen Lösungen auch nur angedacht hat und sich stattdessen noch immer im Problem wälzt.

Vor kurzem stellte ein mir bekannter Künstler in einem Facebook-Post seine drastische finanzielle Situation dar, die sich durch die Corona-Pandemie noch verschlimmern würde, da all seine Veranstaltungen abgesagt wurden.

Einen Tag später stellte er auf Facebook eine neue Grafik vor, die sich mit dem Corona-Thema befasst und schrieb dazu, dass er womöglich T-Shirts drucken ließe, sobald es seine finanzielle Situation wieder zulasse.

Mir fiel sofort ein, dass es Onlineplattformen gibt, bei denen man seine Grafiken hochladen kann, diese als T-Shirt-Druck anbieten kann und an jedem Verkauf verdient.
Investition: 0,00 EUR und 1 Stunde Zeit.

Ich wies ihn auf die Möglichkeit hin und er antwortete: „Ja, aber ich will das im Siebdruck machen….“

Ich denke so: Na, wenn Du Dir das leisten kannst – prima… Dein Post von gestern deutet aber auf etwas anderes hin.

Wer etwas will sucht nach Wegen – die anderen suchen nach Gründen

Wenn die offensichtliche Lösung das Problem ist, fragt der erfahrene Coach gerne mal nach dem Sekundärgewinn. Der Sekundärgewinn ist der Nutzen des Fortbestehens des Problems.

Auch wenn es niemand wahrhaben will, liefert das Problem manchmal einen Nutzen. Wenn wir den erkennen, können wir eine bessere Lösung finden.

Beispiele für Sekundärgewinne

  • Wenn der Ehemann aufhört zu saufen, verliert die Ehefrau ihre Rolle als Retterin der Familie
  • Wenn ich endlich Geld habe, bedauert mich niemand mehr
  • Wenn ich ein schlankes Leben führe, kann ich meinen Kummer nicht mehr in mich reinfressen
  • ….

Beispiel: Kein Geld für die Selbstständigkeit

Wenn jemand kein Geld dafür hat, sich selbstständig zu machen und er nicht zur Bank geht oder Kontakt mit Investoren aufnimmt, um sich das Geld zu beschaffen, oder die Oma fragt, ob sie ihm das Geld leiht… dann ist davon auszugehen, dass ein Sekundärgewinn besteht.
Ist es vielleicht „Verantwortung nicht übernehmen zu müssen“, ist es vielleicht „Sicherheit behalten“ ?

Die Gründe können vielfältig sein und sie sind nicht immer offensichtlich. Nach meiner Erfahrung lohnt es sich nachzubohren, worin der Sekundärgewinn für eine Vermeidungshaltung liegt. Sie ist oft der Schlüssel dafür, das Problem gegen die Lösung zu tauschen.

Was sind Deine Sekundärgewinne ?

Welches Problem löst Du nicht, obwohl die Lösungen seit langem bekannt sind und auf dem Tisch liegen ?

Was hast Du davon, diese Probleme nicht zu lösen ?

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